Montag, 11. August 2014

Über das SCHREIBEN

(CC) Thomas Fietzek, BY-SA 3.0

Gedanken über einen Lebenstraum


„Ich habe meinen ersten Blog-Artikel geschrieben“, erzähle ich meiner Mutter. Sie will gar nicht wissen worüber, sondern kontert „Du solltest ein Buch schreiben. Ich sag dir das schon lange!“

Ja, sicher. Ich könnte, ich sollte, ich hätte sogar Zeit! Ein Buch, das ist mein Lebenstraum. Schon als Teenager habe ich das gewusst und beschlossen eines Tages ein Buch zu schreiben. Genau wie meine beste Freundin. Sie würde es tun, ich würde es tun. Schreiben. Wir beide, immer im Einklang, synchron, symbiotisch, unzertrennlich.

Anna hat letztes Jahr ihr zweites Buch herausgebracht. Ich habe es soeben dem Internet entnommen. Und sollte Anna auf diese Zeilen stoßen, dann wird sie sich sofort selbst enttarnen und mich gleich mit, obwohl es bei mir nichts zu enttarnen gibt, weil ich hier ja nicht unter Pseudonym schreibe. Anna auch nicht.

Anna wird sich erinnern. Genau wie ich. Wir beide, Teenager-Freundinnen, die ihre Pubertät auf Papier verarbeiten, ihre Texte aufgeregt der anderen vorlegen, nervös, wie die Bewertung ausfallen würde, selbstredend höchst kritisch und dem immer gleichen Ergebnis: großartig!

Nein, ich mache mich darüber nicht lustig. Mitnichten. Mir ist nicht nach Lachen, Ironie oder danach, mich frustriert und traurig an die Freundin zu erinnern, zu der kein Kontakt mehr besteht.
Ich habe einen ihrer Kurztexte gelesen, war auf der Homepage des Verlages, der ihre beiden Bücher veröffentlicht hat, und nun sitze ich also vor meinem Laptop und schreibe. Interessant. Ich schreibe. Über mein Nicht-Schreiben, ihr Doch-Schreiben und während ich das tue geht mir schon wieder die Luft aus. Was soll das alles?

Im Übrigen habe ich sehr wohl geschrieben. Zahlreiche Pressetexte. Mein Verlangen zu schreiben, hat mich vor über zehn Jahren dazu gebracht, beruflich einen neuen Weg einzuschlagen. Wenn ich mich selbst google, dann finden sich jede Menge Pressetexte an deren Ende mein Name als Rückfragehinweis steht. Na bitte! Ich habe mich bereits verewigt. Dem Internet sei Dank.

Worum geht es also? Um unerfüllte Träume? Oder dass ich mich nicht traue?
Mir nicht zutraue, ein Buch zu schreiben? Kein Thema finde?

Oder geht es gar um Neid? Eifersucht?
Oder die Angst, nicht gut genug zu sein?

Ich denke mal darüber nach...

Sonntag, 3. August 2014

Über das KÄMPFEN & VERLIEREN

(c) APA

Gedanken anlässlich der Berichterstattung über den Tod von Barbara Prammer


Ja, auch ich bin betroffen. Barbara Prammer ist tot.
Wie so viele in diesem Land habe ich die Nachricht über die Medien erfahren, denn ich kannte Barbara Prammer nicht persönlich.

Betroffen macht mich jedoch nicht nur ihr Tod, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie die Nachricht kommuniziert wurde und nach wie vor wird: „Kampf gegen Krebs verloren“.

Von dieser Formulierung war und wird die mediale Berichterstattung begleitet (es gibt auch Ausnahmen, zumindest was die Headlines betrifft).

Dennoch: Allgemeiner medialer Tenor: „Barbara Prammer hat den Kampf gegen den Krebs verloren“.
So wird uns die Nachricht verkündet, so erfahren wir es - und ich frage mich, was macht diese Aussage mit uns – und was sagt sie über uns aus?

Mir ist klar, dass zum Ausdruck gebracht werden soll, dass Barbara Prammer nicht resigniert hat und auf diese Weise versucht wird, ihr Respekt auszusprechen.

JA, sie hat nicht aufgegeben.

Und nun? Nun hat sie (also doch) „v-e-r-l-o-r-e-n“!?
Der Krebs gewonnen...?!

Kämpfen, verlieren – wieso und wozu werden diese Worte im Zusammenhang mit einer
(Krebs-)Erkrankung bzw. dem Tod verwendet? Verdient nur Respekt, wer den „Kampf“ aufnimmt? Sich einer Therapie unterzieht und weitermacht - so gut es eben geht?
Wer das jedoch nicht tut, hat „schon aufgegeben“. Ja und? Selbst wenn!?

Wir bzw. die Leistungsgesellschaft, in der wir leben, macht nicht mal vor dem Tod halt.
Nur wer kämpft, kann auch (irgendwie) gewinnen.
Wer nicht kämpfen kann oder will, hat schon versagt.
Und wer den Kampf aufnimmt, und dennoch stirbt, hat schlußendlich dennoch verloren.

Denken wir einfach mal darüber nach...